Nachdem wir am Samstag Lissabon und am Sonntag die Küste im Umland erkundeten, fuhren wir am Montag mit dem Zug nach Sintra. Sintra ist eine Kleinstadt etwa 25 km westlich von Lissabon und lockt mit jahrhundertealten Palästen und Schlössern viele Touristen aus aller Welt an. So auch uns.

Wir standen recht früh auf und gingen zum Bahnhof Rossio. Dort sollten die Züge angeblich 4 Mal die Stunde fahren. Wir holten und jeweils einen Coffee to go und jeder 2 Brötchen, damit wir gemütlich während der Fahrt frühstücken konnten. Dann zogen wir an einem Automaten Tickets nach Sintra. Diese kosten €2.15 pro Fahrt, als0 €4,30 wenn man gleich die Hin- und Rückfahrt kauft. Wir gingen zum Gleis und stellten fest, dass die nächste Bahn erst in 40 Minuten kommen sollte. Mit uns warteten viele weitere Touristen, die sicher auch verwundert waren, weshalb die Bahnen doch nicht 4 Mal die Stunde fuhren. Es gab an den Gleisen auch kaum Bänke und ich beobachtete eine ältere Dame mit Krücken, die sich angestrengt an eine Mauer stützte.

Als dann die Bahn endlich einfuhr, ergatterten wir uns Plätze am Fenster und fuhren etwa 40 Minuten durch Vorstädte mit Hochhäusern und dich bebauten Siedlungen, kamen dann an kleineren Dörfern vorbei und waren schließlich in Sintra angekommen. Obwohl wir extra an einem Montag und nicht am Wochenende nach Sintra fuhren, stieg eine Masse an kulturwütigen Touristen aus und es bildeten sich Schlangen vor den Auscheck-Schranken. Dann wurde man von sämtlichen Tuk-Tuk Fahrern, Reisegruppenleitern und Restaurantwerbern empfangen und wir kämpften uns an die frische Luft. Wir wollten als erstes das Schloss Quinta da Regaleira besuchen. Das Anwesen zählt zum UNESCO Kulturerbe und besteht aus einem Hauptgebäude und einem sehr großen Park, der Grotten, unterirdischen Tunnelsystemen, Seen und Brunnen beherbergt.

Zu dem Anwesen gelangten wir mit einem kleinen Bus. Wir kauften ein Tagesticket, für etwa €3 und waren, wie andere Reisende auch, sehr verwundert über den geringen Preis. Ob es nun wirklich ein Tagesticket war, mit dem man aus und wieder einsteigen konnte, wussten wir nicht, brauchten es aber später auch gar nicht mehr. Die Fahrt bis zum Schloss Quinta da Regaleira war nicht sehr lang und man hätte das Stück auch gut vom Bahnhof aus zu Fuß laufen können. Wir hatten aber leider nicht so viel Zeit und wollten nach diesem Besuch noch zum Castelo dos Mouros, einer alten Burg auf einem Berg in der Nähe des Pena Palastes und den Abend schon wieder direkt in Lissabon auf dem Castelo de São Jorge mit einem Wein und Sonnenuntergang ausklingen lassen. Also eilten wir zum Eingang des Anwesens und kauften Tickets. Der Eintritt kostet €6 für Erwachsene und ist sein Geld absolut wert!

Wir schlenderten durch die große Parkanlage des Anwesens und wussten gar nicht wo wir als erstes vorbei schauen wollten. Eigentlich wollten wir wirklich alles sehen, aber so viel Zeit hatten wir ja leider nicht im Gepäck. So kamen wir als erstes an dem Hauptgebäude vorbei und erkundeten es von Innen. Es ist es sehr romantisch, und vermischt Elemente der Gotik, dem manuelinischem Stil und der Renaissance. Die Wände sind mit handgemalten Bildern geschmückt und schmale Wendeltreppen lassen einen weitere Etagen erkunden. Wieder im Garten angekommen umrundeten wir einen kleinen Teich und stiegen in eine unterirdisches Tunnelsystem herab. Dort konnte man durch eine Höhle direkt auf den Teich sehen, über den vorher noch Brücken führten. Wir waren so sehr auf Erkundungstour, dass wir uns verloren und erst eine Zeit später wieder zueinander fanden. Ein besonderes Highlight ist der kleine See „Lago da Cascata“ mit einer Brücke, einem Wasserfall und kleinen Steinchen, über die man zu einer Grotte gelangt. Von dieser Grotte gelangt man wiederum über ein Tunnelsystem zu einem Brunnen ohne Wasser. Man kann den Brunnen über Wendeltreppen entweder von unten heraufsteigen oder von oben kommen hinabgehen. Insgesamt ist der Brunnen 27m tief und wirklich beeindruckend. Ich stellte mir die ganze Zeit vor wie unglaublich schön diese Gärten bei Nebel aussehen müssen. Wir hatten an diesem Montag sehr gutes Wetter mit viel Sonne. Leider. Ja, ich beschwere mich immer über Sonne. Das werden nicht alle verstehen, aber zum fotografieren ist knallende Mittagssonne leider nicht gerade optimal und ich liebe halt den Nebel. Ich denke viele Bilder hätten mit Nebel eine viel schönere Wirkung, besonders diese teils düster wirkenden Gemäuer, die so schon wirklich schön sind.

Nachdem wir das Anwesen der Quinta da Regaleira ausgiebig erkundet haben, gingen wir zu Fuß wieder in Richtung Bahnhof, um dann mit dem Bus zum Castelo dos Mouros auf einem Berg hochzufahren. Auf die Busse ist leider nicht immer Verlass und wir mussten schon bei der ersten Fahrt zur Quinta da Regaleira recht lange auf die Abfahrt warten. So nahmen wir uns nun einfach ein Tuk-Tuk um Zeit zu sparen. Anfangs hatten wir echt bedenken, ob wir noch bis zu den Burgmauern kommen würden, ansonsten würden wir uns nur den Park anschauen und gucken wie weit wir kommen. Zu unserer Überraschung kam man aber tatsächlich recht schnell an der alten Burgruine an, sodass wir auch dort noch Eintritt zahlten und bis ganz nach oben heraufstiegen. Der Eintritt kostete €8. Nun wurde es anstrengend. Wir kletterten die alten Stufen hoch und kamen irgendwann ganz oben auf einem Turm an. Von dort aus hatte man einen wunderbaren Blick über die ganze Umgebung.

Mit dem Zug ging es wieder zurück nach Lissabon. Wir kamen bei der Station Rossio an und fuhren direkt mit einem Bus hoch zum Castelo de São Jorge. Die Sonne stand schon sehr tief, doch wir zahlten auch dort noch einmal Eintritt, um die letzten Sonnenminuten auf der alten Festungsanlage zu genießen. Es gab dort auch einen kleinen Weinwagen mit einer, für die Größe des Wagens, doch recht großen Auswahl. Meine Mutter kaufte uns jeweils ein Glas Rotwein und so tranken wir den Wein bei der wohl schönsten Aussicht. Langsam veränderte sich das Licht und die Stadt schaltete ihre eigene Beleuchtung ein. Es war wirklich schön. Um 18 Uhr wurde das Castelo de São Jorge geschlossen und wir mussten wieder weiterziehen. Die Dunkelheit verunsichert einen. Ich dachte ständig, dass es schon sehr viel später sei, da es immer noch recht warm war. Wir entschlossen uns einfach noch mal in ein Shopping Center zu fahren und besuchten das größte Center der Stadt, das Colombo. Es war nichts besonderes und die Läden kannten wir auch fast alle von hier oder von anderen Shoppingtrips. Ich wollte gar nicht groß shoppen gehen und trotzdem war ich mal wieder diejenige, die etwas kaufte. Es wanderte ein flauschiger, grauer Cardigan aus dem Sale von Pull & Bear in den Reisekoffer. Wir aßen noch bei einem, für ein Shoppingcenter, wirklich guten Italiener und machten uns wieder auf den Weg zum Hotel. Shoppingcenter haben in Lissabon übrigens sehr lange auf. Das Colombo hat bis 00:00 Uhr geöffnet und war irgendwann auch dementsprechend leer.

Am Dienstag frühstückten wir in einem kleinen, niedlich eingerichteten Café mit dem Namen „Fabrica Lisboa“. Dort gibt es leckere, selbstgemachte Croissants, tollen Kaffee und sehr guten, frischgepressten Orangesaft. Das Ambiente des Cafés ist toll. Man kann an jeder Ecke neue Gegenstände mit einem Hauch Nostalgie entdecken. Gut gesättigt fuhren wir zum Abschluss noch mit der Tram Linie 28. Wir standen die ganze Fahrt. Es war holprig und gequetscht. Wenn ihr die Möglichkeit habt, wartet lieber etwas länger an der Haltestelle und sichert euch dann einen Sitzplatz. So hat man an der Fahrt sicher etwas mehr Spaß. Auch bietet sich die Tramfahrt eher zu Anfang der Reise an. Wir erkundeten fast alles vorher schon einmal zu Fuß. So waren die Plätze, an denen wir vorbei fuhren leider nichts Besonderes mehr. Gegen Mittag ging es für uns auch wieder zurück zum Flughafen und nach Hause ins kalte Hamburg.

Lissabon ist ein wunderbares Reiseziel und besonders in den Wintermonaten einen Besuch wert. Ich kann mir vorstellen, wie überlaufen die touristischen Orte, besonders Sintra, im Sommer sein müssen. Der Januar ist im Vergleich zum Winter in Deutschland sehr angenehm. Nach Lissabon würde ich immer wieder reisen wollen. Es gibt auch immer noch viel zu entdecken, was wir nun leider nicht mehr geschafft haben…