Der  Königssee ist das Ausflugsziel, um das pure Bayern zu erleben, wie es sich Touristen aus aller Welt vorstellen. Mit 15 Jahren war ich schon einmal auf Klassenfahrt im Berchtesgadener Land, war eigentlich schon damals sehr beeindruckt von der Natur und machte viele Bilder mit einer sehr schlechten Kamera. Auf Klassenfahrt genießt man die Natur nur leider nicht wirklich und so wollte ich jetzt unbedingt noch einmal dort hin. Und was soll ich sagen: Es hat sich wirklich gelohnt! Besonders die Eiskapelle wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben.

Zwischen all den eher regnerischen Tagen war Freitag, der 15.09. der einzige mit einer wirklich guten Wettervorhersage. Und genau an diesem Tag ging es morgens gegen 8.30 Uhr von München aus nach Schönau am Königssee. Wir fuhren etwa 2 Stunden. Die Strecke ging über die A8 immer weiter in Richtung Alpen, direkt an der Grenze zu Österreich entlang.

Gegen 10.30 Uhr kamen wir in Schönau an, suchten einen Parkplatz und gingen zu den Anlegern der Königssee Schiffe. Vorher kauften wir direkt die Tickets für alle Fahrten. Wir brauchten das teurere Ticket für die Fahrt vom Königssee bis Salet und wieder zurück, da wir sowohl zur Eiskapelle, als auch zum Obersee wandern wollten. Insgesamt zahlt man pro Person 17,80€ und kann zwischendurch auch in St. Bartholomä aussteigen und später nach Salet fahren.

Die Schlangen wurden immer länger und die ersten Reisegruppen beschlagnahmten die Schiffe. Bei der Überfahrt bis St. Bartholomä waren viele lieber mit ihren Smartphones und Selfies mit großen Hüten beschäftigt, als sich die wirklich schöne Natur anzusehen. Dabei sah man vom Boot aus Wasserfälle und das glitzern der Sonne auf dem Wasser…

In St. Bartholomä stiegen wir aus und suchten direkt den Wanderweg zur Eiskapelle. Es dauerte etwa eine Stunde bis wir an der Eiskapelle ankamen, da ich zwischendurch immer wieder Fotopausen einlegte. Der Aufstieg dauert auch deutlich länger als der Abstieg. Insgesamt sind die 6km mit einem Höhenunterschied von 250 Metern gut zu bewältigen. Zuerst folgten wir der Ausschilderung über den Eisbach zur Kapelle Sankt Johann und Paul. Kaum an der Kapelle vorbei, wurde der Weg steiler und führte durch ein Waldgebiet. Kurz darauf wurde man mit einem Blick auf die Watzmann Ostwand belohnt.

Der Weg hoch zur Eiskapelle führte durch Geröll und sehr schmale Trampelpfade zwischen vielen kleinen Steinen. Hier wird der Aufstieg etwas anstrengender, da man schon schauen muss, wo man hintritt. Gut wären auf jeden Fall Wanderschuhe gewesen. Ich hatte leider nur Sneaker an und besitze nicht mal ordentliche Wanderschuhe. Sollten wir nochmal so einen Ausflug machen, wäre das mal eine Überlegung wert.

Bald konnte man in der Ferne die Eiskapelle erkennen. Die Eiskapelle befindet sich im tiefst gelegenen ganzjährigen Schneefeld der Deutschen Alpen und wird durch Schmelzvorgänge immer wieder neu geformt. Das Bild, das einem geboten wird, wenn man vor dem Eis steht ist einfach gewaltig. Es tropft und es ist urplötzlich verdammt kalt. Man sollte die Kapelle nicht betreten, da sich immer Eisbrocken von der Decke lösen können. Es ist lebensgefährlich und jeder, der tief in diese Eishöhle geht, tut dies auf eigene Gefahr!

Ich hatte verdammt großen Respekt vor dem Eis, extreme Angst, es könnte etwas passieren und doch bin ich unglaublich froh, dass ich allen Mut zusammenfassen konnte, um dort einmal durchzugehen. Der Wasserfall, der von oben herabfällt sah atemberaubend aus! Man blickte hinauf, sah die Wassermassen und eine, von der Sonne angestrahlte Eisdecke. Ich bin total glücklich diese Momente festgehalten zu haben.

Von der Eiskapelle wieder zurück zum Schiffanleger in St. Bartholomä gewandert, stiegen wir direkt ein und fuhren weiter nach Salet. Auf dieser Fahrt war das Schiff auch deutlich leerer und ich konnte tatsächlich einen guten Platz ergattern und ein paar Fotos vom Schiff aus schießen.

Wir kamen gegen 14.30 Uhr in Salet an, stiegen aus und gingen recht zügig los. Schließlich wollten wir noch rechtzeitig zur Fischunkelalm laufen und nicht unbedingt die allerletzte Fahrt um 17.40 Uhr wieder zurück nehmen, da es zu der Zeit natürlich sehr überfüllt sein würde. Nach etwa 10 Minuten Fußmarsch standen die ersten Kühe direkt vor uns und eine kleine Gruppe Wanderer versuchte ein Selfie mit einem sehr ruhigen Tier zu machen. Wir wanderten weiter und erreichten etwa 15 Minuten nach Ankunft in Salet das sehr bekannte und instagrammable Bootshaus am Obersee. Ich versuchte auch ein Bild ohne Menschen aufzunehmen, was jedoch nicht so einfach war. Daher sieht man dort nur wenig Steg und viel Haus… Wir entdeckten später noch ein schöneres Bootshaus, also war das nur halb so schlimm.

Es ging dann eine Weile am Wasser entlang. Der Blick war einfach toll und das Wasser so klar, dass sich die Berge dort fast exakt spiegelten. Schon bald wurde der Weg etwas steiler und führte an einer Felswand entlang, an der man sich an Stahlseilen festhalten konnte. Bei entgegenkommenden Wanderern ist das manchmal nicht ganz so leicht gewesen. Man muss schon recht trittsicher sein und am besten Wanderschuhe an den Füßen tragen. Ich hatte nur Sneaker an und manchmal Schwierigkeiten mit rutschigen Steinen. Es war aber alles noch recht gut möglich und die enge, steinige Strecke ist auch nicht all zu lang. Ist dieser Felsenabschnitt erst einmal überwunden, wird der Wanderweg wieder breit und man kann eine zweite Boothütte erkennen. Hier schossen wir ein paar weitere Bilder, ruhten uns eine Weile aus und machten uns dann auch schon wieder auf den Rückweg.

Der Rückweg verläuft wie der Hinweg. Es hieß also wieder den Felsenabschnitt rauf und wieder runter, den Weg an dem Boothaus vobei und wieder der Beschilderung zur Saletalm folgen. Die Strecke beträgt hin und zurück etwa 4,6 km und ist gut in 1 bis 1,5 Stunden zu meistern. Wir haben teilweise sehr ausgiebige Fotopausen gemacht und insgesamt fast genau 2 Stunden gebraucht.

Wir streichelten auf dem Rückweg noch ein paar Kühe, saßen noch eine Weile auf der Bank und blickten auf das Wasser und nahmen das Schiff gegen 16.40 Uhr. Schon zu dieser Zeit, eine Stunde vor der letzten Abfahrt, war es recht kuschelig auf dem Schiff und alle quetschten sich erschöpft aneinander, während sich der Himmel etwas verdunkelte und dichter Nebel in den Bergspitzen zu sehen war. Das war eigentlich genau das Wetter, das ich mir wünschte, aber normalerweise hat man ja nichts gegen Sonne satt einzuwenden (auch, wenn ich Nebel und Wolken der Sonne für Fotos natürlich immer vorziehe).

Die Fahrt mit dem Schiff von Salet bis Schönau am Königssee dauerte noch einmal etwa 45 Minuten. Wir aßen dann noch ein Kleinigkeit und fuhren mit dem Auto wieder nach München. Im Hotel angekommen wollten wir eigentlich in einem Wirtshaus noch etwas essen. Leider gab es keine Küche mehr und so tranken wir beide gutes Oktoberfestbier, endeten aus Hungersnot kurz vor Mitternacht noch bei einer Burgerkette mit einem großen M und kehrten wieder ins Hotel zurück.