Will ich zu viel? Ich habe nie nur einen Traum. Ich habe viele…

Gedanken über zu viele Interessen, Ziele und Erwartungen.

Ich möchte ein Outdoor Girly sein, verbringe aber ehrlicherweise viel Zeit hinter Screens und meine Salomon Schuhe sehen mehr betonierte Straßen als Trails. Ich möchte eine Lifestyle Fotografin sein, habe aber Angst, dadurch die Leidenschaft zur Fotografie zu verlieren. Ich möchte ein erfolgreiches Design Studio aufbauen, aber trotzdem noch genug Zeit für andere Hobbies haben. Ich möchte reisen und im Van leben, aber dennoch einen Ort zum Zurückkehren haben. Ich möchte eine Katze, bin aber viel zu unentschlossen, um so eine große Verantwortung für ein Tier zu übernehmen. Ich möchte YouTube Videos veröffentlichen, habe aber Angst vor der Kommentarspalte oder den Meinungen anderer. Ich möchte einfach nur kreieren, lebe aber leider in einer kapitalistischen Welt, in der selbst Kunst wirtschaftlich sein muss.

Ich möchte einfach nur glücklich und erfüllt leben, aber trotzdem alle anderen Dinge erreichen.

Und so ein kleines Haus ohne Nachbarn mit viel Natur drum herum wäre auch noch nice. Gerne auch irgendwo, wo es warm ist.

Will ich damit zu viel?

Ich bin innerlich zerrissen und ich glaube das Problem kenne viele multidisziplinäre Kreative.

Ich könnte so vieles sein. Und gleichzeitig weiß ich manchmal nicht, wer ich eigentlich bin, wenn ich all diese aufgesetzten Titel mal weglasse. Wenn ich mich nicht hinter einer kreativen Disziplin verstecke, dann wäre da vermutlich ein introvertiertes Wesen – nackt und ohne Fell. Etwas schüchtern, ruhig, hilfsbereit und sensibel. Mit vielen Gedanken und Ideen, die vermutlich nie das Licht der Welt erblicken würden.

Ohne kreativen Output würde man mir einen Teil meiner Seele klauen. Das hört sich nun an, als würde ich mich um die Zerstörung eines meiner Horkruxe fürchten. Nein, so dramatisch ist es zum Glück nicht. Aber je mehr ich mich mit mir selbst beschäftige, umso mehr merke ich, dass das Kreative einen großen Teil meiner Identität ausmacht. Vielleicht halte ich gerade deshalb so krampfhaft an diesen hohen Erwartungen fest, an die Idee, als Kreativschaffende erfolgreich zu sein. An Träume, die sich genau darum drehen.

Das Dilemma der Vielinteressierten

Eine lange Zeit lang hieß es, man solle sich eine Nische suchen und Experte werden. Man solle sich spezialisieren, eine bestimmte Zielgruppe ansprechen, Personas erstellen und fokussiert in einem einzigen Bereich arbeiten. Tendenziell stimmt das. Und wahrscheinlich ist es auch immer noch der schnellste Weg zum Erfolg.

Doch was machen Menschen, die sich in vielen kreativen Feldern zuhause fühlen? Menschen wie ich, die gestalten und fotografieren, die sich für Bewegtbild interessieren, aber gleichzeitig Sketchbooks mit sich herumtragen? Die einerseits gerne draußen sind, aber ihre Träume an Bildschirmen verwirklichen?

Ich glaube, dass insbesondere wir multidisziplinäre Kreative sich viel zu viel Druck machen. Wir denken immer noch wir müssten uns entscheiden, dabei liegt gerade in dieser Vielseitigkeit unsere größte Stärke.

Leider lässt sich dies nur nicht ganz so einfach in Worte fassen oder gar vermarkten.

Muss man sich überhaupt entscheiden?

Nö! Früher dachte ich es wäre besser. Und auch einfacher. Heute sehe ich die Vielseitigkeit eher als etwas sehr wertvolles. Die Einflüsse aus anderen Interessenfeldern machen unsere Arbeit individueller. Und allen Voran: uns menschlicher. Wir sind keine Maschinen, die auf einen routinierten Vorgang, einen Prozess in einer Abfertigungshalle programmiert sind, sondern vielschichtig und multidimensional.

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Auf der einen Seite stehen die Wünsche, man könnte auch ruhig Ziele sagen. Auf der anderen Seite die Realität. Und die haut einem manchmal ziemlich direkt um die Ohren, was man sich da eigentlich alles vorgenommen hat.

Denn…
Wie soll man ein Outdoor-Girly werden, wenn man die meiste Zeit drinnen vor dem Laptop sitzt? Wie soll man einen Van ausbauen, wenn man gleichzeitig Designprojekte betreut oder Shootings plant?

Das Problem sind selten die Träume an sich. Die sind oft gar nicht so unrealistisch.
Es ist das Zeitmanagement.

Man muss sich Zeitfenster setzen, strategisch an einem Ziel zu arbeiten und sich Schritt für Schritt vorarbeiten, sodass man irgendwann alles zusammenfließen lassen kann. Ich habe mir dafür dieses Jahr sogar eine persönliche OKR-Liste angelegt. Damit tracke ich meinen Fortschritt über das Jahr hinweg und kann am Ende wirklich sehen, was sich bewegt hat. (Vielleicht schreibe ich dazu mal einen eigenen Artikel.)

Gerade arbeite ich Stück für Stück an einzelnen Zielen, in der Hoffnung, dass ein paar meiner Träume irgendwann greifbar werden. Klingt eigentlich nach einem Plan, oder?

Was wirklich zählt?

Wünsche zu haben ist wichtig. Aber genauso wichtig ist es, den Blick auch mal zurückzulenken und zu realisieren, was man alles schon erlebt hat und welche früheren Wünsche man bereits ins Jetzt geholt hat.

Was oft untergeht: Das jüngere Ich wäre vermutlich ziemlich beeindruckt von dem, wo man heute steht. Vielleicht sogar ein bisschen neidisch.

Mit Anfang 20 träumte ich von einer Weltreise.
In meinen 30ern starte ich in meine Langzeitreise 2.0.

Als ich 14/15 war, sagte mir die Berufsberatung auf der Realschule, ich sei zu schlecht in Mathe und könnte daher keine Ausbildung zur Mediengestalterin machen. Ich ließ mich unterkriegen, fing eine Ausbildung in einem Büro an und war so unglücklich, dass ich anfing Träume zu verfolgen. Also brach ich nach einem Jahr ab, holte ich mein Abitur nach, studierte Design und blicke nun auf 10 Jahre in der Designbranche zurück – nicht als Mediengestalterin, sondern als (Senior) Designerin und Art Direktorin. Und nun bin ich auf dem Sprung, mir etwas eigenes aufzubauen.

Ich könnte noch lange so weitermachen…

Aber eigentlich will ich nur sagen:

Es wäre doch seltsam, gar nichts mehr zu wollen, oder?
So gar keine Sehnsucht mehr zu spüren, kein aufflackern beim Gedanken an das was sein könnte.

Träume machen uns lebendig.
Manchmal müssen sie warten. Manche brauchen Zeit.
Manche verändern sich oder verschwinden ganz leise.

Aber das Wichtigste ist:
Man darf träumen!
Man darf hohe Ziele haben!
Und man darf verdammt stolz sein, wenn man sie erreicht.


Lena

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